385000 PINSELSTRICHE

 
 
 

In einem wochenlangen Malprozess trug Thomas Becker ca. 385000 Pinselstriche bis zur Fertigstellung seines Ölgemäldes „Metropolis“ auf die Leinwand auf.

Mit jedem dieser Pinselstriche formte er das Gemälde zu einem Stellvertreterbild unserer gegenwärtigen Landschaften.

Der anachronistische Malprozess mit seiner entschleunigten Arbeitsweise bildet einen Kontrapunkt zur gegenwärtigen inflationären digitalen Bildproduktion:

Hier der hunderttausendfach kalkulierte Farbauftrag mit einem Pinsel auf die Leinwand . -Dort die Bildillusionierung mittels Millionen von Pixeln auf dem Bild-schirm. Jahrtausendaltes bedächtiges Malhandwerk tritt hier also noch einmal an gegen die digitale Bildautomation per Knopfdruck.

Der Maler formt auf der Leinwand die Bilder von der Welt, welche er im Kopf hat, mit jedem einzelnen Pinselstrich nach. Dagegen schöpft der digitale Mensch aus dem Schwemmland medialer Bilderfluten immer neu nach Weltbildern, die ihm selbst gemäß erscheinen. Thomas Beckers Tafelbilder entstanden mit den be-ständigen Naturmaterialien Holz, Leinwand, Leinöl und Farbpigmenten nahezu CO2-frei. Hingegen müssen die virtuellen Erscheinungen, welche aus leuchtenden Bildpunkten gebildet werden, durch fortwährende Energiezufuhr mittels aufwendiger Technologie ständig neu erzeugt werden...